Was bedeutet Genealogie?

Ahnenforschung leicht gemacht │ FAQ

Wenn ich gefragt werde, was ich denn so beruflich mache, und dies damit beantworte, ich sei Genealoge, bekomme ich oft ein Stirnrunzeln als Antwort. Zur Aufhellung dieser Verwirrung soll dieser Betrag dienen.

Herkunft

Der Begriff Genealogie setzt sich zusammen aus zwei Wörtern: »genea« und »logos«. Beide stammen aus dem Altgriechischen. Das Pendant im Lateinischen lautet »genus«.

Das Wort »genea« stammt eigentlich aus dem Ionischen, denn im Attischen entfällt der letzte Vokal (genē).

Bedeutung

Die Bedeutung von »logos« ist Lehre, weshalb es sich in vielen Bezeichnungen von Wissenschaften findet: Biologie, Zoologie, Glaziologie (Eis, Schnee), Hydrologie (Wasser), etc.

Der Begriff »genea« besitzt als Bedeutung: Geburt, Abstammung, Sippe, Familie. Die Entsprechung auf Deutsch wäre eigentlich Abstammungslehre, im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich jedoch Ahnenforschung eingebürgert, manchmal auch Familienforschung.

Genealogie vs. Ahnenforschung

Der Begriff »Ahnenforschung« ist allerdings unscharf, denn Genealogen und Genealoginnen beschäftigen sich nicht nur mit der Erforschung der Vorfahren von Menschen, sondern auch mit deren Geschwistern sowie Nachfahren – je nach Fragestellung.

Wenn ich also auf die Berufsfrage antworte, ich sei Ahnenforscher, dann ist das nur ein Teil meiner Arbeit, wenn auch der größte.

Übrigens im Englischen ist »genealogy« weitaus geläufiger, als dessen Pendant im Deutschen. Stelle ich mich also als »genealogist« (Genealoge) vor, verstehen weit mehr Leute, was ich mache (im englischen Sprachraum). Doch noch verbreiteter ist der Begriff »family history«.

Ein Vergleich von Google gelieferten Suchtreffern verdeutlicht dies vielleicht:

  • Genealogie 30.200.000
  • Genealogy 133.000.000
  • Familienforschung 785.000
  • Family History 256.000.000
  • Ahnenforschung 2.040.000
  • Ancestry Research 72.500.000

Klarerweise ist das Ergebnis mit Vorsicht zu genießen, denn es sprechen weit mehr Menschen auf der Welt Englisch als Deutsch. Was mich aber überrascht hat, ist, dass »Genealogie« 15 Mal mehr Treffer erzeugt als »Ahnenforschung«. Das lässt sich aber zT. auch damit erklären, dass dieser Begriff Einzug gehalten hat in viele andere Wissenschaften.

Und auch in der Geschichtswissenschaft spielt die Genealogie eine wichtige Rolle.

Historische Hilfswissenschaft

In der Geschichtswissenschaft steht die Genealogie im Rang einer Hilfswissenschaft, greift also einer anderen Disziplin unter die Arme und ermöglicht es, möglichst »wahre« Erkenntnisse aus einer Quelle zu ziehen.
Damit gemeint sind die »handwerklichen« Methoden im Umgang mit Quellen, was nichts anderes bedeutet, als diese zu deuten, immer mit den Fragen im Hinterkopf:

  • Wer hat sie angelegt?
  • Zu welchem Zweck?
  • Was sagt sie uns, was nicht und warum?

So dient die Genealogie der Familiengeschichtsforschung als Hilfswissenschaft – ebenso der historischen Demographie, die in Österreich wiederum Teil der »Geschichte der Familie« ist.

Falls mehr zum Thema historische Demographie gewünscht wird, verweise ich auf meine Diplomarbeit »Historisch demographische Analyse des Dorfes Kučerov in Mähren 1682-1849 anhand von Kirchenmatriken«.

Einen wichtigen Stellenwert hat die Genealogie in der Mediävistik (Mittelalterkunde) erlangt, da es ohne dem Wissen um verwandtschaftliche Zusammenhänge unmöglich gewesen wäre, viele Ereignisse oder Entscheidungen von Herrschern nachzuvollziehen.

zB. die Einsetzung der Babenberger als Markgrafen von Österreich.

Genealogie in der NS-Zeit

Im Dritten Reich erlangte die Genealogie eine unrühmliche Aura. Wer im Staat was werden wollte, musste seine »arische« Abstammung belegen. Und auch hat das »gemeine« Volk hatte nachzuweisen, dass sich keine Juden oder »Zigeuner« unter den Vorfahren befanden. Damit sollte der »Volkskörper« von allem »Schädlichen« gereinigt werden, was in Ehe- und Berufsverbote mündete bis hin zur Deportierung und industriellen Vernichtung.

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Genealogie heute

In Österreich und Deutschland hatte die Genealogie nach 1945 einen schweren Stellwert auf Grund der ideologischen Belastung durch die NS-Zeit. Mittlerweile ist dieser Rucksack weitgehend verblasst, und viele Leute interessieren sich wieder für ihre Vorfahren und deren Familien. Sei es aus reiner Neugier oder für die Sensibilisierung der eigenen sozialen Situation.

Persönlich interessieren mich bei meinen Vorfahren die Fragen, wo sie lebten, ihre Migrationsbewegungen und welche Familiennamen sie trugen. Und auch als Berufsgenealoge ist es immer wieder interessant zu erforschen, ob die Vorfahren einer Person aus einem überschaubaren Gebiet stammten, oder ob sie in alle Winkel ausströmen.

Quelle der Bilder: FA Tobolka





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