Ahnenforschung: Wie weit geht es zurück?

Ahnenforschung leicht gemacht | Anleitung Teil 1

Bei Gesprächen mit Bekannten landen wir früher oder später beim Thema Ahnenforschung und fast immer werden mir zwei Fragen gestellt:

  •  Wie weit kommst Du zurück?
  •  Geht das bei mir auch?

Bei einer Recherche im Web habe ich mal eine Ahnenliste entdeckt, die bis Adam und Eva zurückging. Realistischerweise schafft man es nicht, bis in die Bronzezeit vorzustoßen, doch ein paar Jahrhunderte sind schon drinnen.

Dreißigjähriger Krieg

Als Grenzdatum gleißt das Jahr 1650 aus der Geschichte hervor. Von 1618 bis 1648 loderte der Dreißigjährige Krieg. Kirchen wurden geplündert, gebrandschatzt und die Pfarrer vertrieben oder ermordet. Dies zog auch für die kirchlichen Aufzeichnungen Folgen nach sich. Viele Kirchenbücher (Ö: Matriken, CH: Rödel) sind in jener Zeit vernichtet worden.

Aber auch danach kam es immer wieder zu Verlusten, sei es durch Brände, Diebstahl oder Naturkatastrophen.

Anfänge der Kirchenbücher

Sollten es die Bestände einer Pfarre unversehrt durch die Wirren der Geschichte geschafft haben, so geht es noch ein paar Jahrzehnte weiter zurück, aber um 1600 ist meist eine weitere Grenze erreicht, auch wenn das führen von Kirchenbüchern bereits am Konzil von Trient (1563) verordnet worden ist – Taufen und Trauungen; die Sterbeeinträge folgten 1614 durch die Rituale Romanorum von Paul V.

Hier spielt das Sozialverhalten unserer Vorfahren eine Rolle. Zum einen siedelten sie nicht immer und ewig am selben Fleck, zum anderen führt die Generationenabfolge (30 Jahre) dazu, dass wir selten die Anfangsjahre einer Matrikenführung erreichen. Auch kommen in den Aufzeichnungen immer wieder Lücken vor, sodass eine genaue Nachzeichnung der Ahnen nicht möglich ist.

Mit viel Mühe und Glück enthalten andere Archivalien Informationen, mit der noch der eine oder andere genealogische Zusammenhang fassbarer wird.

Wenn wir dies bedenken, dann können wir in den meisten Fällen davon ausgehen, die Mitte des 17. Jahrhunderts zu erreichen, manchmal auch die erste Hälfte. Aber es kann auch passieren, dass wir um 1750 oder sogar später feststecken.

Um weiter zurückzukommen, braucht man das Bürgertum unter den Vorfahren oder gar Adel. Dann ist es möglich, bis ins Mittelalter vorzustoßen.

Allerdings gehörten über 90% der Bevölkerung dem „Bauernstand“ an.

Schluss

Auch wenn sich die meisten Ahnenlinien nur bis ins späte 17., frühe 18. Jahrhundert zurückverfolgen lassen, wären dies bei zehn Generationen bereits 1024 Vorfahren – jede weitere Generation verdoppelt die Zahl. Das ist eine Menge. Und es handelt sich dabei nur um direkte Vorfahren. Da gibt es keine Onkeln, keine Tanten, oder Geschwister, Cousins oder Cousinen. Und schon gar nicht deren Nachkommen.

Wenn es also nicht so weit zurückgeht, wie gewünscht oder erhofft, kann auch eine Familienforschung und/oder eine Nachfahrensuche eine spannende, erfüllende und oft erhellende Beschäftigung sein.

Zumindest für mich ist es so.

Wie weit geht es zurück zum Hören





3 Kommentare
  1. Andrea
    Andrea says:

    Danke auch für diese Antwort hier. *freu*

    Naja, so schlimm ist es mit dem Ahnenschwund dann eh nicht. Ein Vorfahrenpaar hat 7 Kinder gehabt, von denen 2 meine Vorfahren sind. Alles also ganz einfach.

    Bei Interesse kann ich gerne Stammbäume bzw. Ahnentafeln per Mail schicken, um nähere Details herzuzeigen.
    Das Vorfahrenpaar hat im 19. Jahrhundert bzw. spätem 18. gelebt und fällt daher nicht unter den Datenschutz.

    „Allerweltsnamen verheißen viel Arbeit. Sie könnte alle Vorkommen eines Namens heraussuchen und die Familien rekonstruieren, um so die jeweiligen Linien auseinanderzuhalten bzw. auf die korrekte Abfolge zu kommen.
    Achten Sie bei der Zuordnung der Kinder auf die Taufpaten. Heiraten können in Nachbarpfarren stattgefunden haben. Manchmal auch die eine oder andere Taufe.“

    Genau das habe ich auch vor, das Suchen der Namen und dann das Zuordnen, anhand der Register ist das im 19. Jahrhundert einfach.

    Was die Taufpaten und das Heiraten in einem Ort angeht, sind meine Vorfahren/innen – so ich das recherchiert habe – nicht sehr kreativ und nicht sehr mobil gewesen – leider oder gottseidank.
    Immer wieder tauchen entweder bereits vorhandene Verwandte – Großeltern/Tanten/Onkeln – oder Freunde der Familie auf.

    Heiraten sind viele erforscht, dafür fehlen mir zwei Sterbedaten, beide im 19. Jahrhundert.
    Unklar wann die Vorfahrin gestorben ist. Irgendwann zwischen 1848 (da hat sie ein Kind geboren – das letzte in einer langen Reihe) und sie ist nicht im Kindbett gestorben, was mein erster Gedanke gewesen wäre) und 1860 (da hat mein Vorfahre geheiratet und sie wird als „selig“ also verstorben, bei dessen Trauungseintrag angeführt).
    Da muss ich dann wohl woanders nachschauen, doch ich weiß nicht wo.

    Bei einer anderen Vorfahrin ist der Vater unbekannt und die Kindsmutter stirbt, als das Kind – ein Mädchen – gerade mal 2 Jahre alt ist, im Alter von noch nicht ganz 25 Jahren an Typhus. Das Mädchen wird erwachsen, heiratet einen entfernten Verwandten und bekommt 2 Söhne, von denen der jüngere mein Vorfahre ist.
    Über den Vater der Vorfahrin kann ich nicht einmal spekulieren.
    Ist es der Briefträger gewesen oder ein Handwerksbursch auf der Stör oder . 😉
    Warum die Kindsmutter den Kindsvater nicht geheiratet hat ? Nicht können ? Nicht wollen ? Nicht dürfen ? Hmm.
    Auch das wird ein Geheimnis bleiben.

    Herzliche Grüße

    Andrea

    Antworten
  2. Christian Tobolka
    Christian Tobolka says:

    Vielen Dank für den Kommentar,

    Allerweltsnamen verheißen viel Arbeit. Sie könnte alle Vorkommen eines Namens heraussuchen und die Familien rekonstruieren, um so die jeweiligen Linien auseinanderzuhalten bzw. auf die korrekte Abfolge zu kommen.
    Achten Sie bei der Zuordnung der Kinder auf die Taufpaten. Heiraten können in Nachbarpfarren stattgefunden haben. Manchmal auch die eine oder andere Taufe.

    Zum Ahnenschwund: Ich indiziere gerade das Dorf Kutscherau in Mähren. Da finden sich Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts bei fast jeder Hochzeit ein Dispens wegen zu naher Verwandtschaft.

    freundliche Grüße,
    Christian

    Antworten
  3. Andrea
    Andrea says:

    Meine Vorfahren väterlicherseits gehören zu den 10% die keine Bauern gewesen sind, da es in dieser Gegend keine gibt/gab, dafür jedoch andere Berufe. Und mobil sind die Ahnen/innen auch nicht gewesen, dafür haben sie Allweltsnamen gehabt, die in diesem Dorf auch heute noch existieren. Das ist fast wie Schwammerl suchen.
    Oft finde ich vor lauter Stammbäumen den Wald nicht mehr. 😉
    Und Ahnenschwund habe ich auch, ab der 6. Generation – von mir als die 1. Generation ausgehend.

    Herzliche Grüße

    Andrea

    Antworten

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